Geschöpf, Gestalt, Wesen, Persönlichkeit - Sterne am Himmel

Meister Eckhart

Eine Kurz-Biografie über Meister Eckhart

Meister Eckhart, auch Eckhart von Hochheim genannt (* um 1260 in Hochheim oder nahebei in Tambach; † vor dem 30. April 1328 vermutlich in Avignon), war ein einflussreicher spätmittelalterlicher Theologe und Philosoph.

Merkmal Details
Vollständiger Name Eckhart von Hochheim
Bekannt als Meister Eckhart
Geboren um 1260, Hocheim (Thüringen)
Gestorben um 1328, wahrscheinlich Avignon
Orden Dominikanerorden
Ausbildung Studium in Köln und Paris (Theologie)
Akademischer Grad Magister der Theologie (Paris)
Tätigkeiten Prior, Provinzial, Professor, Prediger
Wirkunsorte Erfurt, Paris, Strassburg, Köln
Merkmal Details
Strömung Mittelalterliche Mystik, Scholastik
Hauptwerke CHF Opus tripartitum (lat.), deutsche Predigten und Traktate (Reden der Unterweisung, Das Buch der göttlichen Tröstung)13,20
Kernthemen Gottesgeburt in der Seele, Abgeschiedenheit, Einheit von Seele und Gott
Sprache Latein und Mittelhochdeutsch (Pionier der deutschen Geistessprache)
Einflüsse Thomas von Aquin, Albertus Magnus, Neuplatonismus
Nachfolge Johannes Tauler, Heinrich Seuse, Devotio moderna
Konflikt Inquisitionsverfahren ab 1326 durch das Erzbistum Köln
Posthum verurteilt 1329 – Papst Johannes XXII. verurteilte 28 Sätze als häretisch oder verdächtig (In agro dominico)
Bedeutung Einer der einflussreichsten Mystiker des Abendlandes; prägte Philosophie, Theologie und deutsche Sprache nachhaltig

Ein Kind des frühen Lichts

Um 1260 kommt Meister Eckhart in Thüringen zur Welt – in eine Landschaft aus Nebelfeldern, Klosterhöfen und stillen Wegen. Sein Eintritt in den Dominikanerorden ist weniger ein Schritt als ein Erwachen: als hätte etwas in ihm gewusst, dass sein Weg nicht nach außen, sondern nach innen führen würde.

Die Stille, die ihn lehrte

In Erfurt, Köln und Paris studiert er Theologie, Philosophie, Logik – doch seine eigentliche Lehrmeisterin bleibt die Stille. Dort, im unhörbaren Raum hinter den Gedanken, entdeckt er den „Seelengrund“, jenen Ort, an dem der Mensch nicht mehr bittet, sucht oder kämpft, sondern einfach ist. Für Eckhart ist dieser Grund kein Besitz, sondern ein Durchbruch: ein Aufleuchten des Göttlichen im Menschen.

Die innere Geburt Gottes

In seinen Predigten spricht er von etwas Ungeheuerlichem und zugleich Zärtlichem: dass Gott im Menschen geboren werde – nicht in Visionen, nicht in Ekstasen, sondern im schlichten Jetzt, wenn der Mensch leer wird von sich selbst. Seine Worte sind wie klare Quellen: einfach, aber tief; ruhig, aber voller Kraft. Viele fühlten sich davon berührt, manche erschüttert.

Zwischen Licht und Widerstand

Eckharts Freiheit im Denken war so weit, dass sie Grenzen berührte, die andere nicht überschreiten wollten. Ein Inquisitionsverfahren wird eingeleitet. Doch Eckhart bleibt ruhig, fast heiter – als wüsste er, dass Wahrheit nicht im Urteil der Menschen liegt. Er stirbt 1327/28, bevor das Verfahren endet, und hinterlässt eine Spur von Klarheit, die nicht ausgelöscht werden konnte.

Ein Nachklang, der weiterleuchtet

Nach seinem Tod wird Eckhart zu einer Stimme, die durch Jahrhunderte trägt. Seine Schüler Tauler und Seuse, die deutsche Mystik, moderne Philosophen und spirituelle Suchende – sie alle hören in seinen Worten denselben Ruf: Im tiefsten Grund der Seele berührt der Mensch das Göttliche – still, unscheinbar, gegenwärtig.

Die Lehren Meister Eckharts

  • Der Seelengrund – der Ort, an dem Gott geboren wird

Im Zentrum von Eckharts Lehre steht der „Seelengrund“, jener stille, ungeformte Raum im Innersten des Menschen, in dem das Göttliche unmittelbar gegenwärtig ist. Er lehrt: Gott wird in der Seele geboren, wenn der Mensch alles Loslassen übt, was ihn bindet – Bilder, Wünsche, Vorstellungen, selbst religiöse Formen. Diese innere Geburt ist kein Ereignis, sondern ein Zustand der Offenheit.

  • Loslassen und Entwerden – der Weg zur Freiheit

Eckhart fordert eine radikale Form des inneren Freiwerdens: Nicht nur von Besitz, sondern von jeder Identifikation. Nicht nur von äußeren Dingen, sondern von inneren Bildern. Er nennt dies „Entwerden“ – ein Sich‑Lösen von allem, was nicht aus dem Ursprung stammt. Nur wer leer wird, kann erfüllt werden.

  • Sein statt Haben – die Rückkehr zum Wesentlichen

Eckhart unterscheidet zwischen einem Leben im Haben und einem Leben im Sein. Der Mensch soll weniger fragen, was er tun soll, sondern was er ist. Das Sein ist für Eckhart die unmittelbare Gegenwart Gottes im Menschen – frei von Angst, Zweck und Selbstverstrickung.

  • Gott jenseits der Bilder – der „wesentliche Gott“

Eckhart warnt davor, sich an einen „gedachten Gott“ zu klammern – an Vorstellungen, Dogmen oder Bilder. Der wahre Gott ist wesentlich, nicht vorstellbar, nicht greifbar. Er erscheint dort, wo der Mensch innerlich still wird und alle Formen hinter sich lässt.

  • Die Unmittelbarkeit – Gott im Jetzt erfahren

Für Eckhart ist Gott nicht fern, nicht später, nicht woanders. Er ist hier, im gegenwärtigen Augenblick, im Atem, im Sein. Spiritualität bedeutet nicht Flucht aus der Welt, sondern ein Erwachen in der Welt – im Tun, im Lassen, im einfachen Dasein.

  • Die Freiheit der Seele – jenseits aller Bindungen

Eckhart sieht den Menschen als ein Wesen, das sich ständig an etwas hängt: an Bilder, an Vorstellungen, an Rollen, an religiöse Formen. Wahre Freiheit entsteht, wenn die Seele durchlässig wird – rein, schlicht, offen für das Wirkliche. Diese Freiheit ist kein Individualismus, sondern eine Rückkehr zum Ursprung.

  • Die Unio Mystica – Einswerden mit dem Göttlichen

Wie viele Mystiker seiner Zeit spricht Eckhart von der Einung der Seele mit Gott – nicht als Verschmelzung, sondern als Erkenntnis, dass im tiefsten Grund kein Zwei mehr ist. Die Seele erkennt sich als Ausdruck des göttlichen Seins.

Essenz seiner Lehre

Werde leer – und du wirst voll. Werde still – und du wirst hören. Werde nichts – und du wirst alles.

20 aufbauende Zitate von Meister Eckhart

1–5: Die innere Geburt Gottes

  1. „Gott wird in der Seele geboren, so oft der Mensch leer wird von sich selbst.“

  2. „In der Tiefe deiner Seele liegt ein Funke, der nie verlöscht.“

  3. „Gott ist in uns zu Hause – wir aber sind oft nicht daheim.“

  4. „Der Seelengrund ist ein einfacher Grund, in dem Gott ruht.“

  5. „Alles, was Gott vom Menschen will, ist ein stilles Herz.“

6–10: Loslassen, Freiheit, Entwerden

  1. „Der Mensch soll so leer werden, dass Gott in ihm wirken kann.“

  2. „Wer nichts will, dem gehört alles.“

  3. „Lass dich selbst – und du lässt tausend Sorgen.“

  4. „Nichts macht den Menschen freier als das Loslassen.“

  5. „Der Weg zu Gott führt durch die Wüste des eigenen Ichs.“

11–15: Sein statt Haben

  1. „Der Mensch soll nicht viel wissen, sondern viel sein.“

  2. „Was du tust, das tue aus deinem Sein, nicht aus deinem Haben.“

  3. „Gott ist ein Gott des Jetzt.“

  4. „Der Mensch wird dort wahr, wo er einfach ist.“

  5. „In der Stille spricht Gott am reinsten.“

16–20: Einheit, Tiefe, Erkenntnis

  1. Zwischen Gott und der Seele ist kein Zwischenraum.“

  2. „Die Augen, mit denen ich Gott sehe, sind dieselben, mit denen Gott mich sieht.“

  3. „Wer Gott sucht, indem er etwas sucht, der sucht nicht Gott.“

  4. „Gott ist ein Nichts – und doch ist er alles.“

  5. „Der Mensch soll so arm werden, dass er nichts mehr hat als Gott.“